Alltags-Geschichten
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Kalabrien im November 2014

Weil der November hierzulande meist trübe ist und im Süden doch eher die Sonne scheint, ist eine Reise in den Süden genau das, was unsereiner im November braucht.

Als es in der Nacht zum 6. November auch noch Neuschnee gab, fuhren wir kurz entschlossen los. Ein Quartier gab es im Casa del Vallone in Amantea. Das Haus liegt an einem Hang, etwa 230 Meter über dem Meer, inmitten eines liebevoll angelegten Gartens mit den verschiedensten Pflanzen. Der Padrone di Casa bot uns gleich bei der Ankunft frisch geerntete Granatäpfel vom Garten an. Ein Genuss!

Wir hatten, bis auf den Tag, an dem es ununterbrochen regnete, Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Wetter für kurzärmeliges T-Shirt und Sandalen. Die Kalabresen sahen das natürlich ganz anders. Sie brauchten gefütterte Stiefel und wattierte Jacken. Den Strand hatten wir meistens für uns allein. Das Tyrrhenische Meer lud bei etwa 20° Wassertemperatur zum Bade.

In der örtlichen Markthalle gab es täglich frisches Gemüse von den Bauern. Die Clementinen und Mandarinen waren reif. Fangfrischer Fisch war auch zu haben. Eine ältere Frau verkaufte ihn ab Handkarren vor der Markthalle.

Der freche Kater und seine drei Damen belagerten unsere Küchentür. Nach zwei Tagen hatten sie uns soweit. Wir ergaben uns und besorgten Katzenfutter.

Wir erkundeten die Umgebung zu Fuß. Auch für die drei Kilometer bis zum Strand brauchten wir kein Auto, denn der Verkehr auf der Zufahrtsstraße tendierte gegen null. Nur Leute, die ihre Gemüsefelder bestellten, waren unterwegs.

Zweimal im Jahr geht die Sonne in Amantea an wenigen Tagen hinter dem etwa 80 km entfernten Stromboli unter - im Januar und im November. Ein schönes Schauspiel. Schade, dass bei unserem Aufenthalt meistens auch Wolken mit im Spiel waren.

10 Tage ohne Radio, Fernseher, Internet, Autotouren, Besichtigungen und Verpflichtungen …

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Was ist das?
(25.09.2014)
Es ist rot, einigermaßen rund, hat 750g Gewicht und einen Umfang von 38 cm.

Mellis Wanderung zum Hochgrat
(02.06.2014)
Die Autofahrt hat ewig und drei Tage gedauert. Der Chef hat gesagt, es ist bloß eine Stunde. Der kann mir viel erzählen … Wir haben das Auto auf einem großen Parkplatz abgestellt. Die Zweibeiner haben andere Schuhe angezogen, solche, die über die Knöchel gehen. Damit sie einen besseren Halt haben, haben sie gesagt. Dann hat jeder noch einen Rucksack aufgesetzt. Die Frau hat auch noch eine Tasche mitgenommen. Und dann ist es in Serpentinen immerzu bergauf gegangen. 

Am Anfang sind wir ganz flott marschiert, aber nach einer halben Stunde sind meine zwei Wandersleute immer langsamer geworden. Die Frau hat aus ihrer Tasche einen schwarzen Apparat ausgepackt und ist alle paar Meter auf die Wiesen gegangen. Blumen fotografieren, hat sie gesagt. Der Chef hat nicht angehalten. Das ist sehr ungeschickt gewesen, denn ich habe dauernd schauen müssen, dass die Frau auch hinterherkommt und der Chef nicht wegläuft. Zum Glück hat es am Weg entlang genügend Wasser gegeben, zum Trinken und zum Füßekühlen. Am Anfang ein Bach, später dann immer wieder Holztröge mit einem laufenden Wasserhahn. Diese Holztröge sind zum Saufen für die Rinder, die auf den Wiesen Gras und Blumen fressen. 

Allerhand hat sie entdeckt, die Frau. Orchideen, Kugelblumen, Trollblumen und jede Menge Enziane, hat sie gesagt. Mir ist das eigentlich egal gewesen. Mich hat vor allem interessiert, wer schon vor mir auf dem Weg gegangen ist. Manche von den Blumen darf man nicht pflücken, weil sie unter Naturschutz stehen, hat die Frau gesagt. Aber die Kühe dürfen die fressen ... 

Immer wieder sind uns Leute entgegengekommen. Einmal sogar zwei große Hunde mit Herrchen und Frauchen. Zu einem der beiden Hunde bin ich hin – begrüßen, der andere ist mir aber suspekt gewesen. Wenigstens sind die an der Leine gewesen, da habe ich ausweichen können. Um die Mittagszeit sind Leute auf Bänken vor einer Alpe gesessen und haben gegessen. Ich habe auch Hunger gehabt, aber die Frau hat mir verboten, zu den Leuten hinzugehen und zu fragen, ob die etwas übrig haben. Wir haben an einem Holzstapel angehalten. Meine zwei haben sich da draufgesetzt und eine Kleinigkeit zum Essen ausgepackt, auch für mich. Das ist nach über zwei Stunden dringend nötig gewesen. 

Ein Mann auf einem dreirädrigen Karren ist an uns vorbeigefahren. Weit ist er aber nicht gekommen, denn der Weg ist so steil und holprig geworden, dass der Karren einfach nicht mehr weiter ist. Da hat auch dieses Kreisen mit den Armen nicht geholfen. Er hat absteigen müssen und den Karren schieben. 

Das letzte Wegstück bis zu diesem großen Gebäude mit Gasthaus ist schon sehr steil gewesen. Und dann ist auch noch die Sonne verschwunden. Dicke Wolken haben sich über uns zusammengeballt. Als wir an diese Bergstation gekommen sind, hat es begonnen zu regnen. Dann hat eine Stimme gesagt: Die Bahn ist bis auf weiteres wegen des Gewitters außer Betrieb. 

Der Chef hat gesagt, wir gehen in die Gaststätte und essen zu Mittag. Etwas anderes kann man sowieso nicht machen. Die Bediensteten haben mich auch reingelassen. Meine beiden Wandersleute sind zu einem Tisch gegangen und haben zu mir gesagt, ich soll mich darunter legen. Aber das ist nicht gegangen, der Tisch hat nur einen Mittelfuß gehabt. und unten eine Verbreiterung aus Metall. Also habe ich mich neben den Tisch legen müssen. Die Frau hat immer aufgepasst, dass mir niemand von den anderen Gaststättenbesuchern auf den Schwanz getreten ist. Der Chef hat Essen geholt. Die Frau und ich haben gewartet. Schnitzel hat es gegeben, mit Pommes. Auch für mich ist eine Portion übrig geblieben. Durst bekommt man von dem Zeug! Die Frau hat aus ihrer Wasserflasche Wasser in eine Plastiktüte geschüttet, damit ich habe trinken können. 

Als der Regen aufgehört hat, sind wir wieder ins Freie. Wo das Gewitter hat sein sollen, haben wir nicht herausgefunden. Der Chef hat gesagt, die haben das nur durchgesagt, damit alle Leute in die Wirtschaft gehen … 

Zurück fahren wir mit der Bahn, hat der Chef gesagt, er geht den steilen Berg nicht hinunter. Also sind wir wieder hinein ins Gebäude, Fahrkarten kaufen, und dann zu einer anderen Tür wieder hinaus, die Treppe hinauf in einen Raum, wo gelbe Kabinen – die sehen aus wie übergroße Eier - an einem Seil hängen und um einen Bogen laufen. Das macht einen Höllenlärm! Ich habe gleich umdrehen wollen, aber die Frau hat gesagt, wir steigen hinein in so ein Ei. Dann ist ein Mann gekommen und hat das Ei aufgemacht, wir sind rein. Das hat so geschaukelt, dass ich gleich wieder habe hinaus wollen. Das ist aber nicht gegangen, weil der Chef schon in der Tür gestanden ist und der Mann hinter dem Chef die Tür zugemacht hat. Die Frau hat gesagt, ich solle meine Vorderfüße auf die Bank tun, dann könnte ich zum Fenster hinaussehen. Aber das ist mir auch zu unsicher gewesen. So habe ich mich notgedrungen auf den Boden gesetzt. Viel Platz ist da nicht gewesen. Immer wieder hat das Ei laut und kräftig geruckelt. Die Frau hat gesagt, das ist immer, wenn es über einen Mast fährt. Das hat mir gar nicht gefallen. Irgendwann ist unser Ei dann wieder in ein Gebäude gefahren, da war es wieder so laut. Der Chef hat die Kabinentür aufgemacht und ich nichts wie raus und weg. An der Treppe habe ich mich umgedreht und gewartet. Die Frau hat gesagt, ich darf die Treppe hinunter. Dann bin ich ab - hinaus ins Freie. 

Inzwischen hat wieder die Sonne gescheint. Wir sind zum Auto. Ich bin schnell eingestiegen. Ist mir ganz egal gewesen, dass das wieder eine Stunde dauert bis heim. Hauptsache ich bin aus dieser Gondel raus gewesen. 

Ich gehe ja gerne mit den Leuten wandern. Wenn die aber noch mal mit so einer Bahn fahren, dann überlege ich mir, ob ich nicht doch lieber daheimbleibe. Da fällt mir ein, angeleint haben sie mich nicht. Ob die überhaupt eine Leine dabei hatten? Gesehen habe ich jedenfalls keine. 

Wer ein paar Bilder von unserer Tour anschauen möchte, muss auf klick drücken. Ich glaube, von mir ist auch ein Foto dabei.


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