Alltags-Geschichten
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Piep!
(05/2011)
       








Wo bloß Mama und Papa so lange bleiben? Ich habe Hunger! Den Hals kann man sich da verrenken, beim Kucken, ob sie nicht bald kommen. Und am Ende kommen sie immer aus derselben Richtung. Ich zwänge mich so weit wie möglich durch die Pforte und sperre meinen Schnabel sperrangelweit auf, dann bin ich der Erste, der etwas vom Essen abbekommt. Dabei muss ich höllisch aufpassen, dass ich nicht hinausfalle. Die Nachbarin von gegenüber sagt, wenn das passiert, frisst mich die Katze. Das ist so eine dreifarbige, die immer durch die Gegend schleicht und Mäuse im Maul hat. Gestern war’s gefährlich, da kam ein Sperber und wollte mich packen. Die Nachbarin hat das gleich bemerkt und ihn weggescheucht. Mama und Papa ist glücklicherweise auch nichts passiert!

Im Nachbarhaus wohnt eine andere Familie – keine Verwandten. Wir wissen nicht, wie die Herrschaften heißen. Baumläufer, Rotschwanz oder Meise jedenfalls nicht, hat die Frau von gegenüber gesagt, vielleicht Sperling. Rausschauen tut keiner, nur die Eltern fliegen immer ganz schnell hin und her - mindestens so oft wie meine. Manchmal kommt ein Onkel vorbei und schaut sich alle Häuser an. Zu essen hat er aber nie etwas dabei. Und in eins der beiden leeren Häuser einziehen, will er anscheinend auch nicht. Ich glaube, der ist noch Single.

Ob ich es mal wagen soll, hinauszugehen? Mama und Papa landen immer auf diesem Ansitz, wenn sie kommen. Das ist nicht weit, höchstens zwei Schritte. Aber dann haben Mama und Papa keinen Platz, wenn sie mit dem Essen kommen. Ich denke, ich bleibe vorerst mal, wo ich bin. Mama drängt sich immer an mit vorbei ins Haus. Putzen - sagt sie und nimmt einen Schnabel voll Müll mit. Wo sie den hinbringt, weiß ich nicht.

Diese Nachbarin von gegenüber ist schon ein bisschen seltsam. Immer wieder taucht sie hinter diesem schwarzen Kasten auf, der auf drei Beinen steht, und dann macht es klack. Ein Foto, sagt sie, will sie von mir ins Internet stellen, dann würde ich vielleicht ein Star. Dabei hat Mama gesagt, ich sei einer.

Huch, jetzt kommt Papa! Ich darf meinen Einsatz nicht verpassen!

Piep an den Rest der Welt …


Entsorgt
(04/2011)
Weggeworfen habe ich sie, entsorgt in der Tonne für Plastik, die etwa 200 gehorteten Blumentöpfe, in welchen Pflanzen üblicherweise verkauft werden. Irgendwo muss man schließlich mit dem Entrümpeln anfangen und im Gewächshaus beanspruchten sie viel Platz im Regal. Tomaten, Zucchini und Gurken ziehen lohnt sich nicht, wenn man nur wenige Pflanzen braucht. Deshalb kaufte ich die Setzlinge im letzten Jahr beim Gärtner. Die Ernte war eine herbe Enttäuschung: Die Tomaten hatten harte Schalen und schmeckten eher nach Wasser als nach Tomate – ganz so, wie man das aus dem Supermarkt gewohnt ist, weder aromatisch noch süß. Und so kam es, dass ich während unseres letztjährigen Urlaubs im Spätsommer jeder gekauften Frucht, die unserem Tomatengeschmack entsprach, Samen entnahm. Ausgesät habe ich Ende Februar in Kisten auf der Fensterbank und so wie es aussieht, ist jedes Körnchen aufgegangen. Etwa 80 Tomatenpflanzen warten nun darauf, dass sie in ein eigenes Töpfchen umziehen dürfen. Die 50 bis 60 Pflanzen, für die im eigenen Garten kein Platz ist, wegzuwerfen, kommt überhaupt nicht infrage. Ich bin heute zum Gartenmarkt gefahren und habe Blumentöpfe gekauft zu 41 Cent das Stück. Ich werde jedes Pflänzchen in ein Töpfchen setzen und ihm einen Schaschlikstab als Stütze spendieren. Die Setzlinge will ich an interessierte Abnehmer in der Familie und im Bekanntenkreis verschenken ...

Manchego und andere Meeresfrüchte
(10/2010)
Fische und Meeresfrüchte essen wir immer gerne. Und es ist schön, dass hier an der Costa Blanca jeder Supermarkt eine Fischtheke hat, wo viele Köstlichkeiten auf Eis liegen. Ob es sich um Frischfisch oder um tiefgekühlten handelt, ist nicht immer zu erkennen. Beim Tintenfisch aus Patagonien und bei den preisgünstigen Krustentieren ist es klar, dass es sich um aufgetaute Ware handelt, bei den Mittelmeerfischen eher nicht und die Langusten leben ja noch.

In Jávea gibt es einen Fischereihafen, dort kann man garantiert frischen Mittelmeerfisch bekommen, hat der Gatte in Erfahrung gebracht. Abends zwischen fünf und acht soll der Verkauf laufen. Wir nehmen das Auto und fahren die 15 Kilometer an der Küste entlang und dann in die Stadt. Ganz einfach: immer in Richtung Meer, hat man uns gesagt. Am vierten oder fünften Kreisverkehr finden sich die ersten Wegweiser zum Porto. Sogar einen Parkplatz in der Nähe der Strandpromenade können wir ergattern – kostenlos. Auto abschließen, dann startet das Unternehmen Fischkauf. Wir gehen in Richtung Hafen und können schon von Weitem ein hallenartiges Gebäude ausmachen, vor dem Leute stehen. Das muss es sein, davon bin ich überzeugt. Beim Näherkommen sehen wir, dass diese Markthalle zu einer Seite hin die Rollläden geöffnet hat. Auf den Tresen in etwa einem Meter Breite und sechs Metern Länge stehen Kunststoffkisten, gefüllt mit Eis, darauf liegen Thunfische, Makrelen, Seezungen, Sardinen, Seeteufel, Tintenfische aller Größen, kleine Krebse, Muscheln, Austern, Gambas - wenigstens 10 verschiedene Arten - und viele Fischarten, von denen ich weder die Namen kenne, noch sie jemals bewusst gegessen habe. Wir gehen staunend von einer Kiste zur anderen. Auf der anderen Seite der Auslage sind drei Damen damit beschäftigt, die Ware an die Kunden zu bringen. Etwa zehn Personen sehen kaufwillig aus, weitere fünfzehn würde ich als Neugierige einstufen. Man muss einen Nummernzettel von einer Rolle abreißen und warten, bis diese Nummer auf der digitalen Anzeige erscheint, dann ist man dran, erklärt eine deutsche Kundin dem Gatten. Wenn man die Fische ausgenommen haben möchte, muss man das sagen, dafür gibt es eine weitere Anzeige und eine Dame, die das an der rückwärtigen Arbeitsplatte macht. Ich ziehe Nummer 72 – sieben Kunden sind noch vor uns. Wir haben also reichlich Zeit, unser Abendessen auszusuchen. Wenn eine Kiste leer ist, holt eine der Damen eine neue aus einem Raum hinter der Verkaufsstelle.

Nummer 71 ist dran, da klopft mir der Gatte auf die Schulter. Er hat das Portemonnaie diebstahlsicher in seiner Hosentasche mit Reißverschluss verstaut und diesen zugezogen. Jetzt bekommt er ihn nicht mehr auf. Der Schiebergriff ist abgebrochen und auf einer Seite hat der Schieber vom Hosenstoff gefasst. Das Ding sitzt jetzt taschenmittig und lässt sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Und der Geldbeutel ist zu groß, als dass man ihn aus der halb geöffneten Hosentasche herausbekäme. Auch ich bekomme die Tasche nicht auf, ohne dass der Gatte die Hose auszieht. Und weil das hier und jetzt nicht möglich ist, fahren wir wieder zurück, essen heute Abend Käse und ertränken unseren Frust in Rotwein. Der hätte zum Fisch ohnehin nicht gepasst und Weißen haben wir nicht.

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