Alltags-Geschichten
Einträge pro Seite anzeigen | Anzahl: 106 vorhanden 
    1 ... 30  31  32  33  34  35  36    
Lücken
(05/2010)
Einem nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung fehlt das Leseverständnis. Insbesondere bei Schulabgängern der Hauptschule sei das ein Problem, habe ich vor ein paar Tagen durch eine Fernsehdiskussion erfahren. Seit heute gehöre ich offenbar auch zur Gruppe derer, die das Gelesene nicht verstehen. Die heutige Zeitung berichtet, dass die Telekom die Bürger eines Ortes befrieden will. Es geht um die Bereitstellung eines schnelleren DSL-Zugangs. In einem anderen Artikel lese ich, dass die Stufen sieben bis neun in der Grundschule einer Gemeinde verortet sind. Ich wende mich frustriert der Werbung zu, denn da werden die Texte mit entsprechenden Bildern veranschaulicht. Bikinis werden angeboten, oder besser gesagt, einzelne Teile davon. Winzige Oberteilchen, die Triangel Bra heißen, wobei es sich eigentlich um Double-Triangels handelt… Dazu Minihöschen, die jetzt nicht mehr als Slip oder Tanga präsentiert werden, sondern als Mini Brief.

Und ich dachte immer, ein Brief, der vielleicht auch ein Minibrief sein kann, sei eine persönliche Message, die mir ein netter Mensch geschrieben hat; verpackt in einem Kuvert und durch einen Zusteller überbracht. Heißt diese Mitteilung jetzt nur noch Mail, selbst dann, wenn sie als Handschreibe auf Papier daherkommt? Hieße dieses Bikini-Unterteilchen Kuvert, könnte ich das ja noch verstehen, denn das hat mit Verpackung zu tun. Auch ein Brief wird schließlich in einen Umschlag gesteckt, um das Geschriebene vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Ich frage den Gatten.

Seine Antwort: Würdest du beim Fernsehen die richtigen Kanäle wählen oder im Internet auf den einschlägigen Seiten surfen, wären dir solche Begriffe sicher nicht fremd. Deine Bildung hat offenbar Lücken …

Türkische Impressionen
(04/2010)
Hier geht es zur Bildergalerie ...

Das Sommerhaus
(03/2010)
Wie in jedem Jahr hatte er den Winter in Süden verbracht. Es war einfach bequemer so. Die Kälte, die hier im Winter herrscht, brauchte einen dort nicht zu interessieren. Man konnte bequem in den Tag hineinleben, ohne sich um das Morgen kümmern zu müssen. Er war frühzeitig zurückgekommen, das Gelände war größtenteils noch mit Schnee bedeckt. Nur an den Südhängen gab es schon größere grüne Flächen. In der Nähe seines bisherigen Sommerhauses war ein Neubau entstanden. Optisch sehr ansprechend, aber etwas kleiner als der von ihm und seiner Familie bisher genutzte Altbau. Beide Objekte waren noch frei. Auf alle Fälle mal besichtigen, sagte er sich. Die bisher genutzte Wohnung war eindeutig geräumiger und bot viel Platz für eine große Familie. Im neuen Haus würde es, so wie heute üblich, enger zugehen. Dafür war es pflegeleichter und Frauen stehen für gewöhnlich auf so was.

Ihm wäre das bisherige Haus lieber, da konnte er sich auch mal verdrücken und Madame mit der Kinderschar für eine Weile alleine lassen. Im neuen Anwesen würde das nicht so ohne weiteres möglich sein. Außerdem kannte man die bisherige Behausung genau und musste sich nicht umgewöhnen. Was, wenn sie das neue Haus bezögen, und er verwechselte mal in der Eile die Eingänge? Jahrelang hatte er schließlich den anderen Durchgang angesteuert. Seine Gattin würde ihn fertig machen, von wegen fremdgehen und so. Und die Reaktion der eventuellen Nachbarin und deren Gatten war auch noch zu bedenken.

Aber Frauen lieben nun mal die Abwechslung und wollen immer etwas Neues haben. Er würde sich einfach die Option offenhalten und ihr die Entscheidung überlassen. Dann konnte er nichts falsch machen und brauchte sich nachher nicht anzuhören, man hätte es anders machen müssen …

    1 ... 30  31  32  33  34  35  36